Welche Rolle spielt die weiße Kugel?
Ein Weltmeister ist nicht deshalb Weltmeister, weil er jeden Ball aus jeder Lage trifft oder weil er nur einfache Bälle zu spielen hat. Denn er ist in der Lage, nach einem gespielten Ball die "Weiße" so in Position laufen zu lassen, dass auch der nächste Ball recht einfach zu versenken ist. Sollte ihm dies nicht gelingen, sorgt er dafür, dass er die "Weiße" so liegen lässt, dass auch sein Gegner nur wenig damit anfangen kann. Man unterscheidet verschiedene Techniken, um die "Weiße" zu beeinflussen.

1. Natürlicher Lauf
Das heißt, die "Weiße" besitzt in dem Moment, an dem sie die zu treffende Kugel berührt, ihren normalen Lauf. Um jeglichen Effet möglichst zu vermeiden und den natürlichen Lauf so früh wie möglich zu erreichen, muss man die "Weiße" knapp oberhalb der Mitte anspielen. Das Queue muss dabei relativ weich durchgeführt werden. Da die "Weiße" dann über den Tisch rollt, besitzt sie außer der vorwärts treibenden Kraft noch ein in Laufrichtung um die eigene Achse gerichtetes Drehmoment. Dieses ist die Ursache dafür, dass die "Weiße" nach dem Treffen der anderen Kugel immer noch ein Stück weiter läuft.

2. Stoppball
Der Stoppball ist nur bei geraden Bällen möglich. Hierbei bringt man die "Weiße" dazu, nicht über den Tisch zu rollen, sondern zu rutschen. Wenn sie dann die andere Kugel trifft, gibt sie ihre Laufkraft voll ab. Denn im Rutschen besitzt die "Weiße" kein Drehmoment und damit keine Restkraft. Sie bleibt sofort nach dem Treffen der Kugel liegen. Hierzu wird die "Weiße" unterhalb der Mitte angespielt. Als Regel gilt: Je weiter die Entfernung zwischen der "Weißen" und der zu treffenden Kugel, um so tiefer muss die "Weiße" angespielt und um so weiter muss das Queue durchgeführt werden.

3. Rückläufer
Hierbei sorgt der Spieler dafür, dass die "Weiße" ebenfalls über den Tisch rutscht und sich dabei rückwärts dreht. Sobald sie die Kugel trifft, gibt sie ihre Laufkraft ab. Nach kurzer Reaktionszeit sorgt nun das rückläufige Drehmoment dafür, dass die "Weiße" zurückläuft. Hierzu spielt man die "Weiße" wie bei einem Stoppball unterhalb der Mitte an. Im Gegensatz dazu wird aber das Queue wesentlich weiter durchgeführt.

4. Nachläufer
Hierbei erzeugt der Spieler an der "Weißen" ein in Spielrichtung durchdrehendes Drehmoment. Nachdem die "Weiße" ihre Laufkraft an die andere Kugel abgegeben hat, läuft sie ein wesentliches Stück weiter nach. Dazu spielt man die "Weiße" oberhalb der Mitte an. Das Queue wird - je nach gewünschter Wirkung - entsprechend weit und geradlinig durchgeführt.

5. Rechts- und Links-Effet
Eine der wichtigsten Angelegenheiten im Pool-Billard ist der Effet, also der Drall, den man den Kugeln beim Stoß mitgibt. Immer den richtigen Effet mitzugeben ist eine ganz besondere Kunst und kann nur durch Erfahrung und viel Übung beherrscht werden. Ein Effet kann nützlich sein, um
an Bällen noch knapp vorbeizukommen
zwecks Position den Winkel zu entschärfen
das Tempo der "Weißen" zu beeinflussen, nachdem sie eine Bande berührt hat.

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